Abgeschrieben

Quelle: Bundesarchiv, B 145 Bild-F079063-0023 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 DE <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en>, via Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_B_145_Bild-F079063-0023,_Bonn,_Gym
Quelle: Bundesarchiv, B 145 Bild-F079063-0023 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 DE , via Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_B_145_Bild-F079063-0023,_Bonn,_Gym

Früher war Schule eine Abfüllveranstaltung. Am Anfang der Stunde war die Tafel hinter dem Lehrertisch frisch geputzt und leer, am Ende vollgeschrieben mit den Ergebnissen des Unterrichts. Mal standen dort zu Ende gerechnete Aufgaben, mal Merksätze, mal Argumente für und gegen Schuluniformen. Aber regelmäßig lautete die Anweisung von Lehrerin oder Lehrer: „Das könnt ihr jetzt abschreiben.“

So übertrug man Zahl für Zahl, Stichwort für Stichwort, Merksatz für Merksatz ins eigene Mathe-, Biologie- oder Deutschheft: zum häuslichen Wiederholen, zur Vorbereitung auf die nächste Klassenarbeit. Das war Abschreiben wie es sich die Lehrkräfte wünschten, zum Auffüllen unserer Köpfe mit neuen Kenntnissen.

Wenn der Kopf allerdings mangels Lerneifer kenntnisfrei blieb, kam ein anderes Abschreiben ins Spiel, das Abschreiben von der Banknachbarin, dem Banknachbarn bei Klassenarbeiten. Hier sollte eigentlich jede und jeder seine erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten unter Beweis stellen. Wo die fehlten, half mitunter ein Blick schräg nach links oder rechts, wenn Bernd oder Beate besser aufgepasst und fleißiger gebüffelt hatte und die richtige Antwort oder Lösung gerade zu Papier brachte.

Heute schreibt niemand mehr von der Tafel ab, weil man das Tafelbild mit einem Klick aufs Smartphone holen kann. Das ist weniger mühselig, aber bringt auch weniger Lerneffekt, da weder Verstand noch Feinmotorik nennenswert zum Einsatz kommen.

Das Abschreiben bei Klassenarbeiten kommt dagegen offenbar immer noch vor, nicht zuletzt weil die alternative Wissensquelle Smartphone unerreichbar auf dem Lehrerpult liegt, s. das Lied der Lochis unten.

In einem anderen Bereich ist das Abschreiben sogar regelrecht explodiert: in der Wissenschaft. Dank Copy & Paste ist es heutzutage ein Leichtes, Textpassagen aus fremder Feder in eigene Ergüsse einzufügen. Solange man Anführungszeichen setzt und die Quelle nennt, ist das gute wissenschaftliche Praxis. Sobald man diese Entleihungen als eigene Erkenntnis ausgibt, hört der Spaß auf und der Doktortitel ist weg, mit dem Karriere-Aus als Zugabe bei mancher Politik-Prominenz.

Zum Glück zwingt uns niemand, Tafelbilder zu fotografieren und fremdes Gedankengut per Mausklick zu übernehmen. Selbst abschreiben und selbst denken sind weiter erlaubt. Viel Spaß dabei!