Am Anfang war das Ei

Quelle: Xocolatl, Public domain, via Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Fr%C3%BChst%C3%BCcksei1.jpg
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Das beliebteste Ei unserer Kindheit war das Osterei, und es war aus Schokolade. Es fiel unserer Mutter beim Osterspaziergang zufällig aus der Tasche, um von uns im Laub gesucht und gefunden zu werden. Oder es war mit vielen Artgenossen im Garten versteckt, unter Büschen, im Sandkasten, am Kellertreppengeländer, um in unserem Ostereiersammelkörbchen zu enden (und in unserem Mund, in letzter Konsequenz).

Erst etwas später entdeckten wir, dass ein richtiges Ei als Frühstücksei lecker schmecken kann, besonders wenn das Eigelb innen schön weich ist, bei festem Eiweiß drum herum. Das kriegt nicht jede/jeder hin, wie der berühmte Loriot-Dialog zwischen Ehemann und Ehefrau um das Viereinhalbminuten-Ei eindrücklich vorführt (s. unten).

Bei Kindergeburtstagen war das Ei beim Eierlauf ein beliebtes Utensil: Man trug es um die Wette auf einem Esslöffel vor sich her. Wer es unversehrt am schnellsten ins Ziel schaffte, hatte gewonnen.

Im übertragenen Sinne begegnete uns das Ei im Laufe der Jahre immer wieder. Mal schalten uns die anderen „Weicheier“, wenn wir nicht vom Beckenrand ins Wasser zu springen wagten. Mal erwarben wir wertvolle Briefmarken für „einen Appel und ein Ei“. Mal war uns etwas so egal, dass wir sagten: „Da pell ich mir ein Ei drauf.“ Wenn wir uns nicht entscheiden konnten, haben wir mehr als einmal herumgeeiert. Das Ei des Columbus haben wir dagegen leider nie gefunden. Wo es wohl steckt?

In den letzten Jahren wird uns das essbare Ei zunehmend madig (?) gemacht, angefangen mit dem Hühnerei. Erst musste es ein Bioei von glücklichen Freilaufhühnern sein. Dann war auch das verwerflich: Ihr Killer fresst den Hühnern die Küken weg!

Die Schokoladeneier sind kaum weniger anrüchig geworden. Erst ungesund wegen des vielen Zuckers: Es drohten Diabetes und Karies. Dann obendrein unmoralisch, weil milchhaltig: Ihr trinkt den Kälbern die Muttermilch weg!  

Kein Problem ohne Lösung: Vor ein paar Jahren haben Studierende der Universität im italienischen Udine vegane Ersatz-Hühnereier aus Hülsenfrüchten hergestellt. Auf dem Markt sind sie noch nicht.

Vegane Schokoeier kann man dagegen schon kaufen, aus Zartbitter und mit Füllung, also weniger für Kids als für Erwachsene. Aber als solche gelten wir ja inzwischen.

Die Zeit ist reif für ein bisschen Marketing speziell für die veganen, klimafreundlichen Neuschöpfungen. Ich bin als Warentester gern dabei. „Wir Omas und Opas essen Eier for future, und das nicht nur Fridays!“