Baden mit und ohne Mantel

Quelle: Andreas Müller
Quelle: Andreas Müller

„Pack die Badehose ein, nimm dein kleines Schwesterlein und dann nischt wie raus nach Wannsee!“ Das trällerte Conny Froboess als Achtjährige 1951, und das Lied lag als Evergreen jahrzehntelang in der Luft. Was aber machten wir Kinder und unsere Eltern am Wannsee, an der Weser oder im Freibad? Na baden!

Allerdings nur im Sommer, denn da war die Badeanstalt (!) geöffnet und das Wasser nicht gar zu kalt. Bei großer Hitze war das kühle Nass eine willkommene Erfrischung. Man planschte im Nichtschwimmerbecken, die Mutigen rutschten die Rutsche runter, und man übte erste Schwimmbewegungen mit dem Schwimmring um den Bauch, gerne auch mit mütterlicher und väterlicher Unterstützung.

Den Rest des Jahres war das Baden nur als häusliche Grundreinigung im Wochentakt angesagt. Da wurde das Wasser in die Badewanne eingelassen. Nach dem behutsamen Eintauchen und Eingewöhnen in dem warmen Wasser galt es, sich mit dem Waschlappen erst einzuseifen, dann abzuspülen. Die Mutter half beim Abtrocknen mit dem großen Badetuch.

Ob beim sommerlichen Draußenbaden oder dem Wannenbad zu Hause: Der Bademantel gehörte dazu. Wir Kinder trugen ihn bunt gestreift, die Erwachsenen meist weiß. Er schützte vor Kälte oder Sonne – und vor den Blicken der anderen.

Der Blickschutz war praktisch, wenn man die Klamotten wechseln wollte und die Umkleidekabinen weit weg oder besetzt waren. Aber was verbergen soll, machte uns als pubertierende Teenager auch besonders neugierig. Was sich wohl unter den Bademänteln von Bärbel und Gabi verbarg? Vermutlich nackte Haut! Damals sah man noch nicht so viel davon.

Heute wissen alle aus vielfältiger Anschauung, wie es unter Bademänteln aussieht. Es wird gar nichts mehr bemäntelt. Wer schöne junge Haut hat, zeigt sie stolz dem Publikum an Strand oder Poolrand.  Nur manche älteren Herrschaften verhüllen sich mitunter noch schamvoll, weil sie’s so gewohnt sind. 

Nicht zuletzt deshalb sind Bademäntel eigentlich out. Aber es gibt neue Hoffnung für die kuschelige Körperhülle. Der österreichische Rapper Dame hat den Bademantel entdeckt und widmet ihm einen ganzen Bademantelsong. Darin stellt er fest: „Die ganzen Pensionisten sind uns Jahre voraus“. Er zählt die zahllosen Vorzüge des Kleidungsstücks auf, darunter „Mit einem Bademantel bekommst du die Frauen ins Bett“ (s. unten).

Kommt mit dem coolen Bademantel bald auch das Baden selbst wieder in Mode? Die zurzeit noch Ton angebenden Duschfreunde sollten sich warm anziehen.