Bei Anruf Hilfe

Quelle: Andreas Müller
Quelle: Andreas Müller

Früher war das Telefonieren teuer, aber es lohnte sich. Wenn wir Kinder krank waren, riefen die Eltern den Arzt, und er kam. Seine sonore Stimme, sein kräftiger Händedruck beruhigten kranke Kinder wie besorgte Eltern. Schnell noch ein Rezept – und schon war man auf dem Weg der Besserung.

Wenn der Fernseher nicht lief, wählte man die Nummer des freundlichen Herrn vom Elektro-Fachhandel, und er stand vor der Tür. Er probierte, er schaltete, er justierte nach – und schon waren Bild und Ton wieder da.

Heute bleibt die Ärztin lieber in der Praxis, zu der man sich, wenngleich krank, zähneknirschend schleppt. Den kaputten Fernseher kriegt man entweder selbst wieder zum Laufen oder kauft sich einen neuen. Denn auf einen Anruf hin kommt keine Hilfe mehr ins Haus.

Dafür florieren die Dienste, die einem Hilfe übers Telefon versprechen. Nach dem Motto: Ruf an und bleib dran. Dann erklär ich dir, was DU tun musst. Das heißt auf Neudeutsch „Hotline“ und bringt viel Frust. Schon die Suche nach der Hotline-Nummer gestaltet sich oft schwierig, weil sie auf der Website des jeweiligen Anbieters geschickt versteckt ist. Die Leute sollen lieber FAQs durchsehen und E-Mails schreiben, bevor sie unsere teuren Call-Center belasten.

Wenn man die Nummer dann doch gefunden und gewählt hat, muss man sich durch mehrere Auswahlfragen durcharbeiten, bis man schließlich – in eine Warteschleife mit Musikuntermalung geschickt wird. Wenn man sich auch so nicht rausekeln lässt, bekommt man eine halbe Stunde später mitunter wirklich gute Tipps zur Selbsthilfe.

Selbsthilfe-Tipps statt echter Hilfe – und das war’s? Einspruch: Wer zum Handy greift und Pizza bestellt, bekommt heute mehr denn je dampfende Pizza, kein Pizza-Rezept. Auf Anruf rollt das Taxi bis vor die Haustür. Und es gibt sogar Dienstleister, die sich auf Anruf kurzfristig um kranke Kinder kümmern, wenn Papa und Mama zur Arbeit müssen und Oma/Opa verreist sind. Klingt fast zu gut, um wahr zu sein – so gut, wie das Werbelied, das die Belegschaft vom pme Familienservice einstudiert hat (s. unten). Für die Hotline-Warteschleife?