Blümchenkaffee und Muckefuck

Quelle: makemake, CC BY-SA 3.0 <http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/>, via Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bl%C3%BCmchenkaffee.JPG
Quelle: makemake, CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bl%C3%BCmchenkaffee.JPG

Transparenz ist ein Modewort. Alles soll heutzutage durchschaubar sein, vom Zuckergehalt der Cola bis zu den Steuererklärungen von Donald Trump. Aber wollen wir wirklich immer alles sehen? Der Blümchenkaffee ist ein Gegenbespiel. Mit dem Wort war ein Kaffee gemeint, der so schwach und wasserähnlich war, dass man durch ihn hindurch das Blumenmotiv in der Tasse sehen konnte. Transparenz verhieß ungenießbare Plörre.

Das Wort wurde schon in meiner Kindheit vorzugsweise benutzt, um von noch früher zu sprechen, von der sogenannten „schlechten Zeit“, der Kriegs- und unmittelbaren Nachkriegszeit. Da war nämlich Kaffee ein so knappes und kostbares Gut war, dass man besonders sparsam damit umging. „Dem Wasser wurde eine Bohne gezeigt“, behauptete mein Vater augenzwinkernd.

Während die gemeinte Sache ungenießbar war, hat der Begriff „Blümchenkaffee“ etwas Anheimelndes. Ja, damals waren die Tassen oft mit Blumenmotiven geschmückte kleine Kunstwerke, mit barock anmutenden Verzierungen, mit Goldrand. Man holte sie für Gäste heraus, reichte zum Kaffee Gebäck, es wurde gemütlich. Vielleicht zierte den Tisch obendrein eine gestickte Decke mit Blumenmotiv und die Wände eine Blümchentapete.  

Heute in Zeiten von Cappuccino, Espresso und Latte macchiato, von Kaffeesorten aus aller Welt und dem zugehörigen Expertensnobismus ist Kaffee stark und – für Laien – undurchschaubar. Er muss obendrein ein ganz bestimmtes Aroma haben. Wenn das nicht ganz stimmt, verdreht der Kenner die Augen.

Dagegen ist die Tasse, in der der Kaffee gereicht wird, eher schmucklos. So funktional und schmucklos wie die Kantine, in der mancher sich seinen Espresso nach dem Essen aus dem Automaten holt.

Nein, keiner will den Blümchenkaffee zurück – und auch nicht die Blümchentapete. Aber ein bisschen Farbe könnten unsere funktionalen Wohnungen und Büros, Küchen und Kantinen, in denen der starke Kaffee gebrüht wird, mitunter gut gebrauchen. Wie wär’s mit einem Blümchenstrauß?

Für schwachen, plörrigen Kaffee oder Ersatzkaffee gab es auch das Wort „Muckefuck“, und das hält sich heute noch wacker. Das könnte damit zusammenhängen, dass es viele nicht verstehen und sich einen neuen, überraschenden Reim darauf machen. Besonders überraschend der Name Muckefuck für eine Kaffeerösterei im Allgäu (https://www.muckefuck.info/). Sepp, Anderl, Toni, Gustl heißen die Sorten, Sepp ist zum Beispiel ein Café Exótico de Altura aus Kolumbien. Das Gegenteil von Muckefuck und Blümchenkaffee.

Apropos „neue Lesart“: In Muckefuck steckt nach neuem Verständnis „Mucke“ für „Musik“. Da ist es kein kühner Sprung mehr, eine Jazzgruppe Muckefuck zu nennen. Ihr Programm: Jazz aus den 1920er und 1930er Jahren, mit dem Slogan „Musik von gestern für Leute von heute.“