Der Hawaiitoast

Quelle: Rainer Z ..., CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Toast_Hawaii_RZ.jpg
Quelle: Rainer Z ..., CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Toast_Hawaii_RZ.jpg

Auch früher kam nicht nur Schweinebraten auf den Tisch der deutschen Hausfrau. Der Duft der großen weiten Welt, der uns von einer Zigarettenmarke bekannt war, zog in unsere Küche ein – in Gestalt des Hawaiitoasts. Eine Toastscheibe, eine Scheibe Schinken, eine Scheibe Ananas und Schmelzkäse drauf, ab in den Ofen!! Das gab es - mit der Zierkirsche on top - für abendliche Gäste, und dann durften wir es auch mal probieren.

Die Ananasscheibe kam zwar aus der Dose, aber der Duft der großen weiten Welt steckte in den beiden Namensbestandteilen.

Hawaii war weit weg und wurde komisch geschrieben, mit zwei „i“. Man dachte an bunt gemusterte Hawaiihemden, Blumenkränze in den Händen hübscher dunkelhäutiger Mädchen, Meeresrauschen am Palmenstrand. Dabei saß man brav im Esszimmer, und draußen war es grau und regnete.

Unser Wetter passte besser zum Namenbestandteil „Toast“. Der hörte sich britisch an, wie es unsere Besatzungssoldaten waren, denen wir täglich begegneten und die uns ihren tollen Radiosender BFBS mit ihrer aktuellen Popmusik beschert hatten.

Dass auf dem britischen Toast, dem deutschen Schinken und der exotischen Südfrucht noch (Schweizer?) Schmelzkäse zu liegen kam, unterstrich die Opulenz des Gerichts: vier Schichten, so ähnlich wie bei der bewunderten Schwarzwälder Kirschtorte. Kalorien bis zum Abwinken: Das können wir uns jetzt (wieder) leisten. Der Inbegriff der Raffinesse aber war die Verbindung von süß und herzhaft.

Damals zückte man Messer und Gabel, um seinen Hawaiitoast fachgerecht zu zerlegen und zu verspeisen. Es war ja eigentlich ein Leckerbissen für abendliche Gäste.

Aber im Nachhinein betrachtet war der Hawaiitoast unser Schleichweg hin zur späteren Sandwich- und Hamburger-Ess-Kultur mit den Fingern. Man hatte nur den Deckel oben vergessen.

Wer heute weiter auf den Deckel verzichten und den Hawaiitoast dennoch weiterentwickeln möchte, dem hilft vielleicht der vegane Weg, der im folgenden Video beworben wird.