Der Parka

Quelle: Andreas Müller
Quelle: Andreas Müller

Wenn es kalt war, trugen unsere Eltern Mäntel, wir Parkas. Der Parka war Teil unserer Protestkultur als Schüler und Studenten: ein olivgrüner Militäranorak mit heraustrennbarem Innenfutter und vielen Taschen. Dazu passten lange Haare und ein Bart, wenn der denn schon wachsen wollte.

Militärische Tarnkleidung. Da wir sie alle trugen, fiel man damit nicht weiter auf. Wenn die Parkas bei einer Fete in einem Haufen auf ein Bett geworfen wurden, konnte man seinen nur am Inhalt der Taschen erkennen. Sehr praktisch, die Taschen: Seitdem müssen meine Anoraks und Jacken immer ganz viele Taschen haben.

Das Militärische an unserem Outfit passte eigentlich nicht zu unserer politischen Einstellung, denn wir waren Kriegsdienstverweigerer und irgendwie links, mehr oder weniger„fortschrittlich“. Wir waren gegen den Vietnamkrieg und für mehr Demokratie, überall. Unsere Parkas marschierten mit in Studenten-Demonstrationen. Mein Parka übrigens nur ausnahmsweise, weil ich mit Menschenmassen nichts am Hute hatte.

Mit dem Eintritt in das Berufsleben hatte es sich bald ausgeparkat. Die meisten entwuchsen dem Parka. Sie begannen, Hefte zu korrigieren, Schaltpläne zu prüfen, Familien zu gründen. Wer weiter Parka trug, sagte damit: Ich will so bleiben, wie ich war. Bärte konnte man noch viele Jahre länger tragen, Parkas kamen schneller aus der Mode.

An die Stelle des Parkas traten neue Uniformen: Anzug bzw. Kostüm in Banken und Versicherungen, Hemd/Bluse und Hose/Rock im Lehrerzimmer, schwarzer Talar in der Kirche. Außerdem gab es bei vielen jetzt eine klare Trennung in Arbeitskleidung und Freizeitkleidung. In Anzug oder Talar geht keiner auf den Sportplatz.

Mit dem Ruhestand ist die Dienstkleidung out. Man kann wieder selbst entscheiden, wie man herumläuft, und das den ganzen Tag. Die Senioren-Wandergruppe bietet ein buntes Bild. Viele tragen Wanderanoraks in hellem Rot, hellem Blau, hellem Grün.

Wir Alten sind jetzt so bunt wie die Jungen, nicht nur in der Kleidung. Sogar Parkas gibt es, so hört man, immer noch. Einen Funktionsparka in kräftigem „bergblau“ kann man für 164 Euro online kriegen. Ob ich mir den bestelle?

Ach ja – und dann gibt es Parka heute als Namen einer deutschen Indie-Rock-Band. Einer ihrer Titel: „Auf die guten alten Zeiten“.