Die Freiheit, gut behelmt zu sein

Quelle: Bundesarchiv, B 145 Bild-F029870-0027 / Gathmann, Jens / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 DE <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en>, via Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_B_145_Bild-F02987
Quelle: Bundesarchiv, B 145 Bild-F029870-0027 / Gathmann, Jens / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 DE , via Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_B_145_Bild-F02987

Freiheit ist ein hohes Gut – und heute wollen sich alle möglichst den Kopf freihalten. Sicher ist das nicht. Deshalb hatte der Mensch doch schon vor Jahrtausenden den Helm erfunden: als Schutz vor Schlagwaffen in der Antike, als Schutz vor Schüssen in den modernen Kriegen.

Als wir jung waren, hatte der Helm noch etwas Kriegerisches. Wer im Rahmen der Wehrpflicht eingezogen wurde, kriegte einen solchen Schutzdeckel von Amts wegen verpasst. Der Helm stand für Strammstehen und Kopf-Einziehen. Er war außerdem ungeliebtes Accessoire der Polizisten, die bei jugendbewegten Demonstrationen gegen Notstandsgesetze und gegen Atomkraftwerke zum Einsatz kamen.

Es gab keinen Grund, sich freiwillig unter eine solche Schutzhaube zu begeben. Zwängte etwa Peter Fonda auf seinem Motorrad in „Easy Rider“ seine Haare in so ein Ungetüm ein? Nein, der Wind durfte sein Haupthaar ungestört zerzausen. Genauso wie das unsere, wenn wir uns auf die Fahrräder schwangen, um zur Schule oder zum Basketball-Training zu sausen.

Jahrzehnte später ist die Wehrpflicht Geschichte und der Atomausstieg fortgeschritten. Polizistinnen und Polizisten tragen Helme mehr an der Koppel als auf dem Kopf, um Fußball-Hooligans ihre Einsatzbereitschaft zu demonstrieren.

Dagegen boomt der Helm in der Zivilgesellschaft. Er steht nunmehr für sportliche Risiken ohne Verletzungs-Reue. Man trägt ihn, wenn’s wacklig wird: auf dem Pferd, auf den Inlinern, auf dem E-Bike. Da er in vielen Farben und Formen angeboten wird, bleibt ein Stück Freiheit bei der Wahl des Modells.

Die schulische Verkehrserziehung hat vor allem den Fahrradhelm im Visier, denn sie möchte, dass die Kids heile zur Schule und wieder nach Hause kommen. Wer sich dennoch die Freiheit nimmt, keinen Helm zu tragen, der wird behutsam eingenordet, wie in diesem gewitzten Video der Nelly-Sachs-Gesamtschule in Worms. Es zeigt den Kids, wie cool und clever Helmtragen inzwischen sein kann – nicht nur aus Sicherheitsgründen.