Die Lederhose

Quelle: Andreas Müller
Quelle: Andreas Müller

Für kleine Jungs (und Mädchen), die oft draußen spielten und dabei Stoffhosen, ob lang oder kurz, über kurz oder lang kaputtkriegten, war die (kurze) Lederhose die elterliche Ideallösung: robust und reißfest. So bekamen auch mein Bruder und ich je eine und trugen sie den Sommer lang.

Sie war tatsächlich sehr widerstandsfähig, bildete eine dicke Schutzschicht um die von ihr bedeckten Körperteile, und sie war pflegeleicht: Dreck konnte nicht hängenbleiben, Feuchtigkeit nicht eindringen, auch wenn sie nach einiger Zeit „speckig“ aussah.

Aber die Lederhose war andererseits nicht dehnbar, unangenehm auf der Haut und bremste einen auf der Rutsche. Und wenn man Pipi machen wollte, war sie unpraktisch, weil man vornherum doppelt eingesperrt war: mit einer knopfgesicherten Klappe und einem Reißverschluss.

Deshalb ließ ich mich nicht lange in die Lederhose einsperren und steckte meinen Kinderhintern bald wieder vorzugsweise in Stoffhosen. Aus Leder waren die Schuhe und der Schulranzen, das reichte mir.

Als Teenager oder junger Mann hatte ich dann mal eine Lederjacke. Die hatte etwas draufgängerisch Animalisches. Da ich aber trotz Jacke zu meinem eigenen Bedauern weder draufgängerisch noch animalisch wurde, sondern brav und angepasst blieb, trennte ich mich bald wieder von dieser Verkleidung.

Wenn man sich heute auf Spielplätzen umsieht, sind weit und breit keine Lederhosen mehr zu sehen. Es gibt andere reißfeste und wasserresistente Funktionskleidung für die Kids, und wenn was dreckig wird, wird es gewaschen.

Wer allerdings glaubt, die Lederhose sei ganz aus der Mode gekommen, der hat sich getäuscht. Während die Kinder sie offenbar nicht mehr kennen, legen erwachsene Männer sie – nicht nur in Bayern – immer öfter zu herbstlichen Volksfesten an. Zur Begleitung von vollbusigen jungen Damen im Dirndl passt die Lederhose mit den zugehörigen Hosenträgern und kariertem Hemd einfach perfekt. Entsprechend groß ist das Angebot nicht mehr nur in bayrischen Trachtenshops, sondern in den großen Kaufhäusern bundesweit.

Die für mich dazu passenden Adjektive klingen alle nach Anno Tobak und liegen mir quer: „Ihr seht jetzt fesch und zünftig aus.“ Aber will ich ihnen verbieten, ihr Outfit „megageil“ und „awsome“ zu finden? Im Kampf um die Gunst der Damen im Dirndl gilt noch immer: Whatever works! Und dann die neue Pop- und Rockmusik von bayrischen Bands in Landeskluft: geht ins Blut! Trotz Lederhosen - oder auch ihretwegen?