Erstmal Hausaufgaben

Quelle: Randen Pederson from Superior, CC BY 2.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/2.0>, via Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Boy_doing_homework_(4596604619).jpg
Quelle: Randen Pederson from Superior, CC BY 2.0 , via Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Boy_doing_homework_(4596604619).jpg

Wenn wir damals von der Schule nach Hause kamen, brachten wir etwas mit, auf das wir gut hätten verzichten können: Hausaufgaben. Nach dem hastig verschlungenen Mittagessen wären wir so gern gleich zum Spielen vor die Tür gegangen. Aber die elterliche Ansage bremste unseren Freiheitsdrang zuverlässig: „Erstmal Hausaufgaben!“

Mann, sind die nervig! Das jedenfalls finden „Deine Freunde“ in ihrem Song „Hausaufgaben“ (s. unten) und werben rhythmisch fürs Aufschieben.

Zu meiner Zeit wurden die Hausaufgaben noch brav erstmal gemacht, jedenfalls von mir. Lange habe ich nicht über den Rechen- und Schreibaufgaben der Grundschule gegrübelt. Auch später, an der höheren Schule, ging mir das häusliche Pensum leicht von der Hand. Die paar Übungen zur Festigung des Schulstoffs hatten zumeist ihren Sinn und waren schnell erledigt. Es blieb reichlich Zeit zum Spielen draußen oder bei Freunden.

Hinter der vorübergehenden Freiheitsberaubung von „Erstmal Hausaufgaben“ steckte eine Botschaft fürs Leben: Pflicht kommt vor Kür, Schwarzbrot vor Weißbrot, Arbeitstag vor Feierabend. So was bleibt besser hängen als die binomische Formel.

Heutzutage kommen Hausaufgaben in der Schule und in der Politik vor. In der Schule werden sie aus gutem Grund kritisch beäugt: Nicht alle Kinder haben Eltern, die bei den Hausaufgaben helfen können. Im Ganztag findet das weiterhin nötige Üben vorzugsweise in der Schule statt: Schulaufgaben, nicht Hausaufgaben.

Gut so. Wir Eltern oder Großeltern müssen nicht mehr für unsere Kinder oder Enkelkinder Bilder malen und Aufsätze schreiben. Und die Kinder aus bildungsfernen Familien werden wenigstens bei den Hausaufgaben nicht von Kids mit Helikopter-Eltern abgehängt.

In der Politik kommen die Hausaufgaben als Forderung und als Vorwurf vor. Die Politiker sollten erstmal ihre Hausaufgaben machen. Oder: Sie hätten ihre Hausaufgaben mal wieder nicht gemacht. Mal geht es um Renten, mal um Pflege, mal um Klimawandel. Immer aber verordnet man anderen Hausaufgaben, gibt so die strenge Lehrerin, den strengen Lehrer.

Dabei hofft man inständig, dass die als Schülerinnen und Schüler gecasteten Politikerinnen und Politiker weiter faul bleiben. Sorgfältig erledigte Hausaufgaben könnten einem schnell als ungeliebte, aber nötige Maßnahmen vor oder auf die Füße fallen: Verlängerung der Lebensarbeitszeit, Erhöhung der Pflegekosten, verteuerte Mallorca-Flüge.

Annalenas Sorge: Wenn die Grünen ihre Hausaufgaben machen und das zu sehr raushängen lassen, verlieren sie die Wahl. Keiner liebt Streber.