Handzeichen

Bildquelle: Bundesarchiv, B 145 Bild-F001326-0010 / Brodde / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 DE <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en>, via Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_B_145_Bild-F001326-00
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Bitte melden! Schon als ABC-Schützen wurde uns das eingeschärft. Wer die Antwort auf die Lehrerfrage wusste, sollte die Hand heben und abwarten, bis sie/er aufgerufen wurde. Manche reckten den Arm ganz weit in die Höhe, wedelten mit der Hand, schnipsten mit den Fingern, um wahrgenommen zu werden. Dieser Eifer legte sich mit der Zeit. Aber die ganze Schulzeit hindurch galt die Regel: Man spricht erst, wenn man dazu aufgerufen wird. Sogar die Sesamstraße verbreitete diese Ansage – Jahre später – mit viel Schwung (s. unten).

Beim Frage-Antwort-Spiel des Unterrichtsgesprächs war die zähmende Wirkung der Melderegel segensreich. Die Lehrerin konnte so dafür sorgen, dass alle mal an die Reihe kamen. Wer sich nie meldete, fiel auf: Schläft er, hat er keine Lust, oder kommt er nicht mit?

Dasselbe Handzeichen kam in der Schule jedoch nicht nur als Bitte um das Rederecht daher. Es konnte auch ein folgenschweres „Ich mach das“ bedeuten, etwa wenn Freiwillige für die Tafel gesucht wurden. Da blieben zumeist die Arme unten. Noch weniger Reaktion gab es auf die Frage: „Wer hat die Tafel mit diesen frechen Sprüchen beschmiert?“

Später im Leben begegneten uns die beiden Bedeutungen des schulischen Handzeichens immer wieder, zum Beispiel als Eltern beim Elternabend. Im allgemeinen Teil mit Fragen zum Unterricht und zur Klassenfahrt war nie Mangel an Wortmeldungen, denn jeder und jedem fiel etwas zu Reiseziel und Besichtigungsprogramm ein. Aber auf die berüchtigte Frage: „Wer kandidiert als Klassenelternvertreterin oder Klassenelternvertreter?“ blieben lange alle Arme unten – bis sich am Ende doch irgendjemand erbarmte.

Spätestens seit Corona sind Wortmeldungen in Sitzungen und Versammlungen auch ohne den für alle sichtbaren Einsatz eigener Körperteile möglich. Beim Zoom-Meeting klickt man einfach auf das Symbol mit der erhobenen Hand, um sich beim Moderator bemerkbar zu machen und das Rederecht zu erhalten. Klappt prima.

Wenn allerdings in die Runde gefragt wird, wer bereit sei, das Protokoll des Meetings zu übernehmen, hebt sich keine virtuelle Hand. Komisch.