Hauptsache Mütze

Quelle: Andreas Müller
Quelle: Andreas Müller

Der Mensch braucht eine Kopfbedeckung. Das jedenfalls fanden unsere Eltern und setzten uns Mützen auf – oder bastelten uns sogar welche, wie hier aus Zeitungspapier. Papa hatte selbst eine schöne Auswahl an Kopfbedeckungen auf der Hutablage und ging meistens mit einer davon vor die Tür. So ein Hut war praktisch. Man konnte ihn zum Grüßen auf der Straße anheben. „Guten Tag, Herr Kollege!“ oder „Guten Tag, Frau Nachbarin!“

Im Winter wurden uns Kindern selbstgestrickte Pudelmützen aus Wolle aufgesetzt, zum Schutz von Kopf und Ohren: „Geh ja nicht raus ohne Mütze!“ Oben war eine Bommel dran, zur Verzierung. Aber da konnten die anderen auch prima dran ziehen – und schon lag sie im Schnee.   

Als wir größer wurden, fanden wir solche – und überhaupt alle – Kopfbedeckungen blöd. Wir ließen uns die Haare lang wachsen und wollten die Haarpracht zur Schau stellen, statt sie mit einer Mütze zusammenzudrücken. Die Haare sollten im Wind wehen so wie die von Peter Fonda in „Easy Rider“.

Kopfbedeckung war altmodisch. Hüte trugen neben alten Herren nur noch ältere Damen, die sich auf den Terrassen der Cafés vor Tellern mit Schwarzwälder Kirschtorte versammelten. Lächerlich.

Das Lachen verging mir ein paar Jahre später, als ich als Lehrer vor der Klasse stand. Da hatten plötzlich viele halbwüchsige Jungs coole Schirmmützen des Typs Baseballcap auf dem Kopf, am liebsten sogar im Unterricht. Manche Schulen verboten das, andere überließen die Entscheidung in dieser Haupt-Sache der Lehrerin/dem Lehrer.

Bei den Jüngsten kamen Pudelmützen nie ganz aus der Mode. Immer weniger Mamas und Omas nahmen sich allerdings die Zeit zum Selberstricken. Zum Glück wuchs parallel das Angebot an kindernahen Motiven auf den Mützen des Textileinzelhandels. Wer Bob den Baumeister oder Feuerwehrmann Sam liebt, kann ihn heutzutage den ganzen Tag auf dem Kopf tragen.

Sogar junge Männer sind inzwischen wieder auf die Mütze gekommen. Als bommellose „Beanie“ ist sie in der Skateboard- und Hiptop-Szene beliebt und wird nicht nur draußen, sondern auch in gut geheizten Innenräumen getragen. Und wenn sie von der Oma kommt: umso besser, sagt jedenfalls Ezé Wendtoin in seinem Song.