Kuschelig vor Corona: Perwoll-Werbung

Quelle: User:Diliff, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Swaledale_Sheep,_Lake_District,_England_-_June_2009.jpg
Quelle: User:Diliff, CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Swaledale_Sheep,_Lake_District,_England_-_June_2009.jpg

Ist der neu? Nein, mit Perwoll gewaschen! Dieser Werbeslogan hat es in sich in dieser düsteren Zeit. Warum? Die Fragesteller der Uralt-Waschmittel-Werbung hielten den alten Pullover für einen neuen, weil er sich kuschelweich anfühlte. Anfühlte!!! Vor der Frage war der Körperkontakt, das Fühlen – und das geht seit März 2020 gar nicht mehr. Abstand halten ist angesagt.

Wenn man sich diese Werbespots aus den 1980er Jahren ansieht, wird einem ganz anders: Kolleginnen betouchen sich am Arbeitsplatz, Fahrgäste in der Straßenbahn, Gemüsefrau und Kundin auf dem Wochenmarkt. Heh: Könnt ihr euch nicht an die Corona-Regeln halten? Wollt ihr es zum Superspreader des Jahres bringen? Asozial!

So richtig zeitgemäß war die Perwoll-Werbung mit den frischgewaschenen Altpullovern allerdings schon vorher nicht. Wer wusch noch Pullover? Was nicht mehr neu ist, wird schon lange dank Billigware in den Klamotten-Ketten einfach gegen neu ausgetauscht. So ist man immer auf dem neuesten Modestand, folgt dem letzten Trend. Und umweltbewusst kann man trotzdem sein, indem man den vor drei Monaten gekauften Pulli nach Gebrauch statt ins Perwoll-Bad in die Altkleidertonne wirft.

Damals in unserer Jugend war das noch anders. Kleidung wurde nicht nur gewaschen, sondern auch gestopft oder anderswie ausgebessert: die Pullover am Ellbogen, die Hosen an den Knien und am Hintern. Hübsche, gut gesetzte Flicken waren geradezu „in“. Man denke an die Patchwork-Decken.

Jetzt kennt man eher Patchwork-Familien. Aber das klingt jetzt unpassend nostalgisch. Kuschelige Pullover gibt es erfreulicherweise noch immer, ebenso wie die Schafe, die die dafür nötige Wolle liefern. Und anfassen wird auch bald wieder erlaubt sein – nach Corona. Mein Sicherheitshinweis: vorher fragen!