Passt

Quelle: Andreas Müller
Quelle: Andreas Müller

Den ersten Anzug bekamen wir Jungs zur Konfirmation. Er war großzügig geschnitten, mit viel Platz um die Schultern, langen Ärmeln und Luft um die Beine. Danach war eine Weile Pause mit dem Anzugtragen, „Gammellook“ war bei uns Trumpf. So jedenfalls empfanden unsere Eltern unsere ultralegere Teenager-Kluft aus Jeans und Pulli.

Wenn dann doch mal Anzug Pflicht war, zwängten wir uns maulend in das Konfirmationsteil, das mittlerweile vorn und hinten drückte und die Socken zur Schau stellte. Mürrisch dachten wir: „Das haben sie von ihrer lächerlichen Kleiderordnung, die Alten!“ Unbestrittener Standard waren eigentlich weiterhin üppig geschnittene Sakkos und Hosen.  

Heute laufen alle erfolgreichen jungen Anzugträger herum, als hätten sie sich versehentlich in den Konfirmationsanzug gezwängt: Hochwasserhose und Jackett überm Po. Bloß, dass das jetzt absolut angesagt ist: figurbetont eben! Ideal für eine Musical-Tanznummer, wie sie Barney Stinson aus der Fernsehserie „How I met your Mother“ hinlegt: “Nothing Suits Me Like A Suit” = Nichts passt so gut zu mir wie ein Anzug! (s. unten)

Bei der Badekleidung ging das Spiel damals andersrum. Während man beim Anzug die Körperform eher kaschierte als zur Schau stellte, war die Badehose unserer Jugend knapp geschnitten und enganliegend. Entsprechend viele von uns drückten sich mangels vorzeigbarer Körpermaße oder Selbstbewusstsein vor derart textilarmen Auftritten.

Die Bademoden-Gegenwart ist da entgegenkommender: Viele heutige Badehosen könnten auch als Freizeit-Shorts getragen werden, so züchtig und weit umhüllen sie die Gesäßpartie.

Was sagt uns das? Nicht alles, was passt, gilt als passend. Und auch was nicht passt, kann passen. Wem das nicht passt, darf passen.

Für uns einst junge Jetztalte stellt sich die Frage: Wo reihen wir uns ein bei Anzug und Bademode? Naheliegend erscheint die maximale Verhüllung: weite Anzüge wie damals, weite Badehosen wie heute. Bloß keine Blöße geben und schon gar nicht Blicke auf sich ziehen!

Aber warum eigentlich? Wenn wir in die enge Anzughose passen und uns darin wohlfühlen, sollten wir hineinschlüpfen. Und wenn die Musik stimmt, sind auch ein paar Tanzschritte drin