So weiß, weißer geht's nicht

Quelle: DALIBRI, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kuchenbuffet_beim_%C3%B6kumenischen_Pfarrfest_am_Sulzb%C3%BCrg_3.jpg
Quelle: DALIBRI, CC BY-SA 4.0 , via Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kuchenbuffet_beim_%C3%B6kumenischen_Pfarrfest_am_Sulzb%C3%BCrg_3.jpg

Das weiße Oberhemd gehörte zum Sonntag unserer Kindheit und Jugend wie Kaffee zum Kuchen. Weiß war die Unterwäsche unter dem Oberhemd, weiß waren mitunter sogar Tischdecke und Serviette. Beim Kuchenessen bedeutete so viel weiß allerdings erhöhte Fleckengefahr. Es drohte rot vom Erdbeerkuchen, blau vom Heidelbeertörtchen, braun vom „Kalten Hund“.

Zum Glück war unsere Mutter und Hausfrau gewappnet. Wo viel weiß war, war auch viel Waschmittel. Dash wusch so weiß, weißer geht’s nichts. Und bei Ariel war die Kleidung nach dem Waschen nicht nur sauber, sondern rein. Den Unterschied demonstrierte die Fernsehwerbung an testgewaschenen Fußballtrikots (s. unten).

In den 1950er und 1960er Jahren waren alle um eine blütenweiße Weste bemüht, jedenfalls nach außen. Erst als Beate Klarsfeld 1968 dem damaligen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger öffentlich eine Ohrfeige versetzte, beschäftigte man sich näher mit seiner bräunlich verfärbten Vergangenheit im Dritten Reich.  

Allmählich wurde der schwarz-weiße Sonntagsstaat durch Buntwäsche, Gastarbeiter und Farbfernsehen aufgemischt. Spätestens mit den United Colors of Benetton geriet Vielfalt zum neuen Leitbild, das bunte Kleidung und bunte Menschen verband. Auf der Patchwork-Decke bemerkt kein Mensch die Flecken.

Und wo ist heute unser klassisches Weiß geblieben, wenn es bei Oberhemd und Unterhose chancenlos ist? Zum einen bedeckt es jetzt unsere Wände. Weiß hat sie alle vertrieben: die grob oder fein gemusterten Tapeten wie die kräftigen Farbanstriche in unseren Mietwohnungen und Eigenheimen. Weiß vergrößert Räume, lässt neu angeschaffte bunte Bilder und rote Sofas noch besser hervortreten.

Zum anderen schmückt es unser Haupt: die Weißheit des Alters. Wir sind ein Volk der Weißhaarigen. Das sieht man zurzeit daran, wie lange die Jüngeren in der Corona-Impfschlange warten müssen, bis sie an die Reihe kommen. Beim ersten Nach-Corona-Familientreffen sehen wir uns wieder am Kuchenbuffet. Dann kleckern wir mit den Enkelkindern um die Wette.