Unter Strom

Quelle: Wahrerwattwurm at the German-language Wikipedia, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Nur_T%C3%BCten.JPG
Quelle: Wahrerwattwurm at the German-language Wikipedia, CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Nur_T%C3%BCten.JPG

Bei uns kam der Strom immer aus der Steckdose, aber anfangs tröpfchenweise. Damals ging man nämlich mit allem sparsam um, auch mit Strom. „Festtagsbeleuchtung“ war in der Wohnung unerwünscht, sogar an Festtagen. Elektrisch waren zunächst nur das Licht, der Herd, das Radio. Und alles war meistens ausgestellt. 

Nach und nach kamen weitere Geräte hinzu: der Kühlschrank verdrängte die Speisekammer, die Waschmaschine das Waschbrett. Plattenspieler, Diaprojektor, Fernseher, Tonbandgerät hielten Einzug. Nach einer Überbrückungsphase mit Verlängerungskabeln und Mehrfachsteckern vermehrten sich auch die Steckdosen in der Wand, um den Strom an die immer zahlreicheren Geräte zu verteilen. Kabelsalat war schließlich nicht nur unappetitlich, sondern auch unpraktisch.

Als wir zu Hause auszogen, begann das Nachdenken über die Steckdose: Wo kommt der Strom eigentlich her? Da wurde es politisch, und viele von uns engagierten sich. Die Buttons auf unseren Parkas erklärten kategorisch „Atomkraft? Nein danke“. Manche von uns fuhren sogar zum Demonstrieren nach Brokdorf, der nächstgelegenen Baustelle eines Atomkraftwerks.

Der Atomstreit ist mittlerweile hierzulande zugunsten von Wind und Sonne entschieden worden, jedenfalls im Prinzip. Strom wird – allen Stromsparlampen zum Trotz – immer mehr gebraucht: für unsere Smartphones und Tablets, für unsere Staubsaug- und Rasenmäh-Roboter, für unsere E-Bikes und E-Golfs.

Unter Strom steht auch die Jugend, weil sie sich vor einer Klimakrisen-Zukunft mit weltweiten Hitzewellen und Extremwetter-Ereignissen fürchtet. Sie demonstriert freitags for future und verlangt radikale Maßnahmen, die vor dem Stromverbrauch nicht haltmachen. Viele von uns Babyboomern sind als Omas und Opas for Future dabei, sorgen bei den Grünen für Grautöne, springen ein, wenn bei den Jungen Seminararbeits-Abgabetermine oder Kindergartenschließzeiten die Reihen lichten.

Aus der Zeit gefallen und doch wieder mittendrin wie der zottlig ergraute Otto Waalkes als Catweazle im gleichnamigen Film, in dem Mark Forster die Stimme erhebt und den Elektriktrick besingt: „Es braucht nur etwas magisches Geschick und dann kommt auch schon der Elektriktrick und der geht: an, aus, an, aus [...] Alles nur mit einem Klick!“ Schön, wenn es so einfach wäre!