Von Zapfenstreich bis Men in Blech

Quelle: MSGT JOHN P. SNOW, USAF, Public domain, via Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gro%C3%9Fer_Zapfenstreich_Ramstein_Air_Base_2002.jpg
Quelle: MSGT JOHN P. SNOW, USAF, Public domain, via Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gro%C3%9Fer_Zapfenstreich_Ramstein_Air_Base_2002.jpg

Im Sechspersonenzimmer der Jugendherberge war das Licht noch an, und drinnen wurde geredet, gelacht. „Jetzt ist aber Zapfenstreich!“, erscholl die Warnung des Lehrers auf Klassenfahrt. Licht aus und nur noch flüstern, war unsere Reaktion. Wir wussten, was Zapfenstreich für uns bedeutete. Dass es ursprünglich ein Signal zur Nachtruhe für Landsknechte war, das mit Trommel, Horn oder Trompete gegeben wurde, wussten wir natürlich nicht. Bei der Klassenfahrt reichte die kräftige Lehrerstimme.

Im Nachhinein fällt auf, wie viele Begriffe des damaligen Alltags aus der Sprache des Militärs kamen. Kein Wunder: Unsere Lehrer, unsere Väter hatten im Zweiten Weltkrieg „gedient“. So wurde in der Schule viel angetreten, abgetreten, strammgestanden.

Im Lateinunterricht beim Vokabelabfragen musste der Befragte nicht nur aufstehen zum Antworten, sondern auch strammstehen, mit den Händen an der Hosennaht. Und wenn jemand etwas falsch gemacht hatte, wurde ihm gehörig der Marsch geblasen. Zum Sportplatz ging es mit der Anweisung: „Gleichschritt, marsch, marsch!“ Fünf Minuten später hieß es: „Kommando: Stillgestanden!“

Vom häuslichen Plattenspieler erschallte Marschmusik. Das war des Vaters Lieblingsmusik, zu der er gern dirigierend – und grinsend – den Zeigefinger hob. Wir Kinder marschierten zackig-stolz durchs Wohnzimmer. Wohlgemerkt: aus freien Stücken, nicht auf Kommando! So wie wir gern mit dem Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr den Gleichschritt hielten, wenn der zum Schützenfest durch die Kleinstadtstraßen zog.

Später, beim Austauschjahr in den USA, entdeckten wir den Charme der bunt uniformierten Marching Bands, die zu den Football-Spielen von High-School- oder Collegeteam flott aufspielten und dabei zum Teil ziemlich komplizierte Marschiermuster auf die Spielfläche brachten. Applaus!

Heute, Jahrzehnte später, wird sogar beim militärischen Zeremoniell des „Großen Zapfenstreichs“ nicht nur zackig-militärische Musik geboten. Bei ihrem Abschied als Verteidigungsministerin bekam Ursula von der Leyen 2019 auf eigenen Wunsch „Winds of Change“ von den Scorpions vorgespielt.  Wem koordinierte Bewegung zu Musik wichtig ist, der kann sich heute (neben marschierenden Blaskapellen) die „Men in Blech“ anhören – und anschauen.