Zu Fuß unterwegs

Quelle: chuttersnap chuttersnap, CC0, via Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Black_white_sneakers_logo_(Unsplash).jpg
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Wie weit ist das? Zu Fuß zehn Minuten. Das klingt nach früher. Früher ging man zu Fuß. Das fing mit dem Weg zum Kindergarten an und setzte sich mit dem Weg zur Schule fort. Eine Viertelstunde zur Grundschule, eine halbe Stunde zum Gymnasium: kein Problem, das machten wir alle – auch die Lehrerinnen und Lehrer. Die grüßte man auf dem Schulweg, weil man den Bürgersteig mit ihnen teilte.

Der Fußweg war eine Gemeinschaftsveranstaltung, die Bürgersteige waren gut gefüllt. Wir gingen mit Geschwistern, mit Nachbarskindern, mit Freundinnen und Freunden. Und wir trafen zusätzlich Leute, die wir grüßten oder sogar ansprachen: voll die Auswahl. Unterwegs konnten wir miteinander reden, miteinander schweigen – und erreichten unser Ziel sicher und hellwach.

Aber mit dem Siegeszug des Autos ist bei vielen der Fußweg auf der Strecke geblieben. Man geht nicht, man fährt. Sogar zum Bäcker um die Ecke rollt Papa im SUV oder holt zumindest das E-Bike raus. Und den Schulweg legen die Kids allzu oft mit dem Elterntaxi zurück. Das ist so praktisch: Man kippt das Kind auf dem Weg zum Job einfach vor der Kita- oder Schultür aus und zeigt bei gleicher Gelegenheit den anderen Eltern, was für ein cooles neues Fahrzeugmodell man sich leisten kann.

Zugleich quillt unser Schuhschrank von lauffreundlichen Schuhen über, die uns den Fußweg erleichtern könnten. Nicht nur die Sportschuhe im engeren Sinne kommen gut an. Auch bequemes Freizeitschuhwerk des Typs „Sneaker“ wird von Jung und Alt gern gekauft – und viel getragen. Allerdings: oft mehr zum Chillen und Flanieren als zur zielgerichteten Fortbewegung. 

Zum Glück sind jetzt Schulen, engagierte Eltern und Krankenkassen angetreten, den Trend umzukehren. Sie promoten zumindest den Fußweg zur Grundschule als coole Lösung für clevere Kids und greifen zum Schulweg-Rap, um Kids und Eltern den Wechsel zu Schusters Rappen schmackhaft zu machen, s. unten.

Warum aber sollten die Eltern der Kids sich heutzutage auf den Fußweg begeben, ohne gleich in den Jogging-Laufschritt zu verfallen? Der Fußweg unserer Epoche scheint der Pilgerweg à la „Ich bin denn mal weg“ (Hape Kerkeling) zu sein. Als Jakobsweg führt er Fußgänger vom Ich zum Selbst, sagt die Werbung. Ob das ein lohnenderes Ziel ist, als es früher frische Brötchen waren, hängt vom Selbst und vom Bäcker ab.